Jens Schwedler: Lieber etwas Matsch

René Penno am 26.01.2011 - 13:03 Uhr
Nur noch ein paar Tage sind es bis zur Weltmeisterschaft in Sankt Wendel. Die deutschen Crosser scheinen nach den letzten Ergebnissen gut vorbereitet. Auch die aus dem Hamburger Stevens Racing-Team, die wieder sechs der 20 WM-Teilnehmer stellen. Deren Sportlicher Leiter Jens Schwedler gab radcross.de einen kurzen Ausblick zu dem, was am Wochenende im Saarland zu erwarten ist.

radcross.de: Noch sind es ein paar Tage bis zur WM. Wie sind die Hamburger Jungs drauf?
Jens Schwedler (J.S.): Wir haben sechs Jungs dabei. Ich denke, die sind prinzipiell gut bis sehr gut vorbereitet. Man sieht das auch an den Ergebnissen. Nach der Deutschen Meisterschaft haben sie leistungsmäßig noch mal einen Sprung gemacht. Das ist auch die Bestätigung unserer Nachwuchsarbeit der letzten Jahre. Die Jungs sind auf den Tag fit, jetzt hoffen wir aufs Wetter. Uns wäre es lieber, wenn es ein bisschen matschig wird.

radcross.de: Wie schätzen Sie das Abschneiden der Deutschen bei der Heim-WM ein?
J.S.: Wenn man euphorisch wäre, könnte man sagen, dass drei Medaillen möglich sind. Realistisch ist aber ein Ergebnis wie in Tabor, wo es eine Silbermedaille (Anm. d. Red.: Silber für Hanka Kupfernagel bei den Frauen hinter Marianne Vos) gab. Damit könnten wir schon zufrieden sein. Philipp Walsleben bringt sicher die physischen Voraussetzungen für eine Medaille mit, bei den Frauen verlangen alle von Hanka Kupfernagel eine Medaille. Das aber wird kein Selbstläufer, auch wenn sie zuletzt starke Ergebnisse geholt hat. Es wird aber schwer, eine Medaille zu gewinnen, da die Leistungsdichte bei den Frauen inzwischen enorm ist. Aber sie hat den Vorteil, dass sie 2005 auf diesem Kurs schon Weltmeisterin war, außerdem ist sie läuferisch besser als die anderen. Für Sabine Spitz und Sabrina Schweizer ist zwischen Platz 5 und 15 alles möglich. Bei den U23 hätte ich Marcel Meisen vor der DM als Mitfavorit gehandelt, aber er ist in ei leichtes Formloch gefallen. Er ist aber ein Typ, der auch von seiner Moral lebt. Einen Platz unter den ersten Zehn kann man ihm zutrauen. Genau wie Ole Quast und Michael Schweizer. Man muss aber auch nicht enttäuscht sein, wenn es schlechter wird. Speziell bei den U23 ist die Tagesform entscheidend. Und bei den Junioren stellt sich die Frage, wie die Strecke ist. Wird es matschig, ist es etwas für Silvio Herklotz. Der hat dafür einen richtigen Motor, das hat er bei der DM bewiesen. Bei Minusgraden hat Yannick Eckmann seine Vorteile, weil er einfach kräftiger ist und auch technisch ein bisschen besser. Beiden ist aber eine Platzierung in den Top Ten zuzutrauen.



radcross.de: Sie haben es gerade angesprochen: Silvio Herklotz. Er hat sich toll entwickelt in diesem Winter. Was kann man ihm noch zutrauen?
J.S.: Für uns als Team ist er ein echter Glücksfall. Ein Anruf, und er wäre auch bei einem Team wie Rabobank untergebracht. Sich innerhalb einer Saison so zu verbessern, das gibt es vielleicht einmal in zehn Jahren. Silvio bringt die idealen Voraussetzungen mit. Er würde wahrscheinlich in allen anderen Kraftausdauer-Sportarten genauso bestehen. Aber bei solchen Jungs muss man auch immer ein bisschen Angst haben, dass sie auch auf dem Boden bleiben. Ich bin sicher, dass Bundestrainer Patrick Moster ihn mit einem guten Händchen durch die Saison bringen wird. Außerdem bilden Silvio und sein Vater ein wirklich gutes Team, dass man eigentlich keine Sorge haben muss. So ein Sportler muss geführt werden, und nicht verführt zum Leistungsdruck. Silvio hat in dieser Saison schon so viel erreicht – seit der Deutschen Meisterschaft ist alles andere nur noch eine schöne Beigabe. Er versteht es, sich selbst zu schleifen und lernt in kürzester Zeit. Und er bringt sich ins Team ein, was für mich als Sportlicher Leiter noch wichtiger ist als Erfolge.