Indoor-Cross: Premiere startet in Bramsche

Peter Rohde/radcross.de am 12.12.2009 - 10:50 Uhr
Indoor-Cross
Nichts ist zu spüren von der vorweihnachtlichen Ruhe in den Reihen der Radsportler des Tus Bramsche, steht doch am 30. Dezember 2009 ihre größte Herausforderung seit der Gründung der Abteilung vor mehr als 35 Jahren an: Der Ausrichtung des 1. Indoor-Crossrennens in Deutschland.

30 Jahre Bramscher Bergrennen, 7 Jahre Gartenstadt-Radrennen, zudem jedes Jahr 2 Radtouristiken, RTF Super-Cup in den Jahren 2003 und 2004 mit mehr als 1.000 Teilnehmern gemeinsam mit der RRG Osnabrück und nun eine Veranstaltung, an die sich bisher kein Veranstalter in Deutschland herangewagt hat. Und das in Bramsche.

Wie kam es dazu? Geboren wurde die Idee in Berlin, wo im Herbst 2008 ein Sprintrennen geplant, aber aus finanziellen Gründen nicht durchgeführt werden konnte. Fast zeitgleich gingen Bilder vom Indoor-Cross im belgischen Hasselt durch die Internetforen, die mit zahlreichen Bemerkungen versehen waren, dass derartiges in Deutschland undenkbar wäre. Im Mutterland des Radsports, in Belgien, ist Indoor-Cross derart populär, dass statt eines Sechstagerennens künftig in Hasselt drei Tage Indoor-Cross durchgeführt werden. Natürlich in bedeutend größerem Rahmen. Wiederum fast zeitgleich fanden Biahtlonrennen auf Schalke und Langlaufen auf der Düsseldorfer Kö statt.

All diese Ideen setzten die Bramscher Radsportler wie ein Puzzle zusammen und stellten es den Mitgliedern auf der Jahresversammlung Anfang 2009 vor: Eine Reithalle musste her, möglichst mit dicht angrenzendem Außenbereich, eine Brücke muss gebaut werden, Außenbeleuchtung für die Abendstunden organisiert, Zeitpläne aufgestellt werden, ein Rahmenprogramm entwickelt werden, finanzielle Risiken kalkuliert und ein Termin bestimmt werden, denn man will sich als Gastgeber von seiner besten Seite zeigen.

Spektakel zwischen den Feiertagen
Einstimmig wurde der Entschluss gefasst das "Projekt des Jahres 2009" anzugehen: Schnell legte man sich auf den 30. Dezember 2009 fest. Da die Wochenenden mit Rennen belegt sind, die Veranstaltung aber wegen der Halle bzw. der Möglichkeit der Ausleuchtung nicht auf Zeiten festgelegt ist, wurde ein Termin zwischen den Feiertagen gewählt. Da Silvester das älteste deutsche Radrennen in Herford stattfindet, entschloss man sich das jüngste Radrennen genau einen Tag davor zu legen, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu einem Doppelstart zu geben. Dabei wurde auch in Kauf genommen, dass der ein oder andere Teilnehmer aufgrund beruflicher Verpflichtungen fehlen wird. Fast im Alleingang erstellte "Baumeister" Horst Karcisky seine Brücke in einer Bauzeit von vier Monaten, die nun seinen Namen trägt.

Diese bestand bereits beim Crossrennen am 12. Oktober auf dem Sportplatz Schüttenheide ihre Feuertaufe, wurde anschließend verbessert und ist nunmehr startklar. Der Radsportbezirk Weser-Ems federte durch die Aufnahme der Veranstaltung in den Weser-Ems Cup das große finanzielle Risiko ab, da erst am Ende der Serie Geldpreise ausgeschüttet werden. Zudem erstellte der Straßenfachwart des Bezirks, Daniel Schumacher aus Cloppenburg, die Zeitpläne. Und wie immer, wenn der Wille groß und das Budget knapp ist, helfen sich die Bramscher: Der Reiterverein Hesepe stellt seine Reithalle gegen geringes Entgelt zur Verfügung und sperrt die Reithalle für zwei Tage für den Reitbetrieb, die Stadtwerke liefern kostenlos das Material zur Ausleuchtung des Außenbereichs, der Malerbetrieb Dreyer Teppichboden für die Brücke, die Artland Brauerei Sachpreise für die Sieger. Selbst FDP-Stadtratmitglied und Nachbar Wolfgang Tiemeyer hilft mit Trecker und schwerem Gerät beim Aufbau der immerhin 15 Meter langen Brücke, der Reiterhof Hempe-Severit liefert einen Trecker zum Planieren des Hallenbodens zwischen den Läufen. Zudem wurde ein DJ organisiert, der von 9 bis 20 Uhr für entsprechende Stimmung unter dem Hallendach sorgen wird.



Zwischen 16 und 32 Teilnehmern werden in den verschiedenen Klassen ab 10 Uhr an den Start gehen. Begonnen wird mit einer Qualifikation ähnlich der Formel 1. Über eine Runde, die etwa eine Minute dauert und zusätzlich durch zwei künstliche Hindernisse erschwert wird, haben die Fahrer die Möglichkeit, jeweils ihre Bestzeit zu erzielen. Anschließend werden auf Grundlage der Qualifikationszeiten jeweils vier Fahrer einen Lauf bestreiten. Die beiden Ersten kommen dann eine Runde weiter, gegebenenfalls bis in das Finale.

Großes Interesse bundesweit
Die Finalläufe finden dann ab 19.30 Uhr statt, das Finale des Hauptrennens startet um 20.15 Uhr. Sämtliche Altersklassen, von den Jüngsten ab sechs Jahren, über die Mastersfahrer, Elite und Hobbyfahrer werden an den Start gehen, zudem werden viele Fahrer aus den Reihen des TUS Bramsche und Engter an den Start gehen und versuchen, ihren Heimvorteil zu nutzen, zumal bereits am 29. Dezember 2009 ab 18 Uhr ein freies Training angeboten wird.

Meldeschluss der Veranstaltung wird am 27. Dezember sein. Das gestiegene Interesse am Indoorcross aber bekam Abteilungsleiter Peter Rohde in den letzten Tagen deutlich zu spüren: Anfragen von deutschen National- und Spitzenfahrern, die gerne am Rennen teilnehmen möchten,
häuften sich, so dass man in den Reihen der Bramscher Radsportler sicher ist, dem hoffentlich zahlreichen Publikum ein tolles Fahrerfeld präsentieren zu können.
Weiterführende Informationen:
Website des Weser-Ems-Cup