Europameisterschaft: Hanka Kupfernagel und Philipp Walsleben holen die Titel

radcross.de - Redaktion am 02.11.2008 - 17:31 Uhr
Hanka Kupfernagel und Philipp Walsleben haben am Sonntag bei den Cross-Europameisterschaften gleich für zwei Titel für den Bund Deutscher Radfahrer gesorgt. Während es für Kupfernagel bereits der dritte Erfolg bei den kontinentalen Titelkämpfen war, sorgte Walsleben für den größten Erfolg bei den Männern seit Mike Kluge.

Eine ganze Generation Radsportler mussten die deutschen Querfeldein-Herren warten, bis endlich einer wieder ein internationales Meistertrikot überstreifen konnte: Seit Mike Kluges Sieg in Leed (Großbritannien) 1992 stieg kein Deutsche mehr auf die oberste Stufe des Podiums. Jetzt tritt ein 20-jähriger Brandenburger in Kluges Fußstapfen. In der Nachwuchsklasse der U23 gewann Philipp Walsleben am Sonntag im französischen Liévin den Titel des Europameisters. Nach einer Fahrzeit von 49:02 Minuten bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 25 Stundenkilometern stand der Kleinmachnower mit Wohnsitz in Belgien als Sieger des Rennens fest. Dabei hatten ihm viele Fans und Experten trotz seines Weltcup-Sieges vor einer Woche im tschechischen Tabor den Titelgewinn nicht zugetraut, nachdem bekannt geworden war, dass er am Samstag noch das schwere Superprestige-Rennen am Koppenberg gefahren und gewonnen hatte. Doch nach dem erfolgreichen Rennen in Liévin wehrte Walsleben ab: „Ich kenne meinen Körper genau. Ich weiß, was er als Vorbereitung braucht. Und da ich in Belgien nicht einhundert Prozent geben musste, weil die meisten Konkurrenten wegen der Europameisterschaft auf einen Start verzichtet hatten, war das Rennen am Koppenberg optimal für mich.“

Bereits früh kristallisierte sich im Park im Val de Souchez am Rande von Liévin eine Spitzengruppe mit den erwarteten Favoriten heraus, darunter die beiden Franzosen Aurelien Duval und Arnaud Jouffroy und dem Belgier Tom Meeusen. Walsleben wartete zunächst ab, wunderte sich dann aber, „dass Aurelien so langsam fuhr.“ Walsleben wollte sein eigenes Tempo gehen und attackierte am letzten steilen Anstieg der zweiten Runde, als Duval vom Rad und laufen musste, während der Deutsche die Steigung fahrend bewältigte. Binnen weniger Meter hatte Walsleben einen deutlich Vorsprung, den er schnell auf über eine halbe Minute ausbaute. „Ich hatte heute einfach super Beine“, freute sich Walsleben im Ziel. Konstant hielt er seine Verfolger auf Distanz, baute den Vorsprung sogar langsam noch aus, sodass er im Ziel souverän mit 56 Sekunden Abstand zu Aurelien Duval gewann. Dritter wurde der Belgier Kenneth van Compernolle. Der Stolberger Marcel Meisen aus dem Team Kuota-Senges hatte die Bedingungen, die mit tiefen und rutschigen Boden wie geschaffen für ihn waren, zu seinen Gunsten genutzt und machte mit seinem fünften Platz das gute deutsche Ergebnis komplett.

„Ich bin überglücklich“, strahlte Walsleben, nachdem er von Roland Hofer, dem Generalsekretär des europäischen Radsportverbandes UEC, das blaue Trikot mit den gelben Sternen übergestreift bekommen und die Goldmedaille entgegen genommen hatte. „Jetzt will ich natürlich auch Weltmeister werden“, gab der Brandenburger seine Ziele für diesen Winter bekannt.

Doch bereits am kommenden Wochenende warten neue Aufgaben auf den Wahlbelgier: Dann steht in Pijnacker (Niederlande) der nächste Weltcup auf dem Programm - und damit die Verteidigung des weißen Führungstrikots vor allem gegen Aurelien Duval, den Walsleben nun bereits in zwei wichtigen Rennen geschlagen hat. „Klar möchte ich auch weiter Weltcup-Führender bleiben“, gibt sich der Profi vom Team Palmans-Cras zuversichtlich. In seiner Mannschaft ist man glücklich über den Erfolg des Nachwuchsfahrers: Tritt er doch als frisch gebackener U23-Europameister in die Fußstapfen seines Teamkollegen Niels Albert, dem im Vorjahr das Triple aus EM- und WM- und Weltcup-Gesamtsieg gelang. „Das will ich eigentlich auch“, gibt Walsleben lächelnd zu. Den Grundstein dafür hat er in Frankreich gelegt.

Die weiteren Deutschen Fahrer hatten mit dem Ausgang des Rennens nicht viel zu tun: Ole Quast wurde 24., Yannick Tiedt (beide Stevens Racing-Team) 30., Stephan Sprinke (Team Focus-Alpecin) und Sascha Weber (RSC St. Wendel) landeten auf den Rängen 34 und 35.

Hanka Kupfernagel zum dritten Titel
Hanka Kupfernagel vom Team Itera-Stevens hat sich am Sonntag im französischen Liévin zum dritten Mal nach 2003 und 2004 den Europameistertitel im Querfeldein geholt. Auf dem schweren Kurs in Liévin verwies sie die Lokalmatadorin und Mitfavoritin Maryline Salvetat (Frankreich) sowie die Tschechin Katerina Nash auf die nächsten Plätze.

„Das war ein hartes Stück Arbeit“, pustete Hanka Kupfernagel im Ziel erstmal durch. „Das war eins meiner härtesten Rennen überhaupt“, so die neue Europameisterin weiter. Denn den Titel musste sie sich regelrecht erarbeiten. Von Beginn hatte sich eine fünfköpfige Gruppe zusammengefunden, die sich im weiteren Verlauf des Rennens auf drei Fahrerinnen verkleinerte. Anteil daran hatte auch Hanka Kupfernagel, die als einzige den steilen Anstieg fahren konnte, während die Konkurrenz jeweils abstieg. „In der zweiten Runde hatte ich an dieser Stelle auch schon ein kleines Loch, habe dann aber nochmal rausgenommen, weil ich dachte, es sei vielleicht zu früh für eine Solofahrt“, so Kupfernagel, die ihre Rad bei den tiefen und schmierigen Verhältnissen öfter wechselte als die Konkurrenz.

Selbst durch einen Sturz in einer Abfahrt ließ sich die Weltmeisterin nicht aufhalten. „Aber es hatte Kraft gekostet, die drei Sekunden wieder zu zu fahren“, so Kupfernagel. Die Spannung stieg, als Kupfernagel in der letzten Runde zusammen mit Salvetat allein an der Spitze war und erneut fast stürzte. „Da haben die einheimischen Fans Maryline natürlich kräftig unterstützt“, sah sich die 33-Jährige im Hintertreffen, als sich wieder ein kleines Loch nach vorn auftat. Nach einem Radwechsel behielt sie aber die Ruhe und war rechtzeitig wieder an der Französin dran, um 300 Meter vor dem Ziel den Spurt anzusetzen. „Da habe ich die schwere Wiese vor dem Ziel zu meinen Gunsten genutzt. Jetzt bin ich happy, dass es wieder zum EM-Titel gereicht hat“, so Kupfernagel, für die es am kommenden Wochenende mit dem Weltcup in Pijnacker weitergeht.

Die zweite Deutsche Jana Süß aus Braunschweig (1a-Crossteam) beendete das Rennen auf Rang 24.

Bei den Junioren gab es für die deutschen Fahrer diesmal nichts zu holen. Der Niederländer Tijmen Eising siegte vor seinem Landsmann Lars van der Haar und dem Belgier Sean de Bie. Als bester Deutscher landete der Hamburger Enno Quast (Stevens Racing-Team) auf Rang 30, auf dem 33. Rang folgte sein Teamkollege Toni Bretschneider. Jannick Geisler und Christoph Altenkirch belegten bei ihrer internationalen Premiere die Plätze 38 und 41.