Cross-WM: Marianne Vos holt den Titel bei den Frauen

WM-Presseservice am 30.01.2011 - 13:24 Uhr
Marianne Vos hat sich zum dritten Mal hintereinander den Weltmeistertitel im Radcross geholt. In St. Wendel verwies die Niederländerin Katherine Compton aus den USA auf Rang zwei, Dritte wurde die Tschechin Katerina Nash. Hanka Kupfernagel wurde 42 Sekunden später Vierte.

Hanka Kupfernagel stand hoch motiviert am Start. „Ich hatte ein gutes Gefühl“, sagte Mike Kluge, der die Deutsche Meisterin in St. Wendel betreute. „Deshalb bin ich etwas überrascht“, so Kluge. In der Tat hatte Kupfernagel die Konkurrenz gleich unter Druck gesetzt und das Rennen von der Spitze bestimmt. Zwei Runden lang gab sie den Ton an, ehe sich ein Trio mit Katherine Compton, Katerina Nash und Marianne Vos absetzen konnte. Eine Vorentscheidung fiel aber erst in der letzten Runde, als Marianne Vos angriff und die Gruppe damit sprengte.

Etwas überraschend kam dieser Angriff, da Marianne Vos für ihre Sprintstärke bekannt ist und bis zur Einfahrt ins Stadion hätte warten kann. „In den letzten beiden Runden habe ich gemerkt, dass ich heute eine Chance habe“, sagte Vos und forcierte in der letzten Runde das Tempo. „Als ich gemerkt habe, dass ich ein kleines Loch habe, bin ich einfach weiter gefahren“, setzte die junge Niederländerin am Schluss alles auf eine Karte. Katherine Compton, die bis dahin fiel für das Tempo getan hatte, konnte nicht mehr kontern - für Vos war der Weg zum nun vierten WM-Titel im Gelände frei.

Die 23-jährige Niederländerin krönte ihre bisher sehr erfolgreiche Karriere mit einem weiteren Titel. 2004 ging ihr Stern auf, als Straßenweltmeisterin der Juniorinnen wurde. Zwei Jahre wiederholte sie das bei den Frauen und fügte ihrer Palmares seitdem zahlreiche Titel bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen auf der Straße, der Bahn und im Gelände hinzu.

Hinter Kupfernagel blieb dagegen der fünfte WM-Titel verwehrt. „Ich war von meinem Start etwas geschockt. Das war der beste Start der Saison und ich habe gezweifelt, ob ich das durchziehen soll“, ließ sich Kupfernagel von der Stimmung am Streckenrand tragen. „Damit habe ich mich aber auch selbst aus dem Rennen geschossen“, zeigte sich die 36-Jährige nach ihrer elften WM-Teilnahme selbstkritisch. Hinter Kupfernagel belegte Sabine Spitze als zweitbeste Deutsche Rang zehn. Vor sechs Jahren war sie an gleicher Stelle Zweite hinter Hanka Kupfernagel.

Stimmen zur Cross-Weltmeisterschaft der Frauen

Marianne Vos, Niederlande, Weltmeisterin:
Weltmeistertitel sind immer schön, der letzte aber ist der schönste und beste. In den letzten zwei Runden war ich glücklich, noch vorne dabei zu sein. Da wusste ich auch, dass ich eine Chance habe, zu gewinnen. In der letzten Runde merkte ich, dass da eine kleine Lücke war und bin einfach weiter gefahren. Bis dahin wollte ich einfach vorne dranbleiben, nachdem Hanka sehr schnell gestartet ist. Ich wollte einfach dranbleiben. Die leichteste und einfachste Taktik ist meist auch die beste.

Katherine Compton, USA, 2. Platz:
Ich habe heute alles gegeben, Marianne war heute aber einfach schneller. Ich habe in diesem Jahr viele Rennen gewonnen und bin sehr froh darüber. Aber die Weltmeisterschaft ist immer noch das Größte, aber es war sehr schwer für mich. Im Rennen wollte ich das Tempo einfach hoch halten, um die Gruppe kleiner zu machen. Das war schwierig bei diesem Boden.

Katerina Nash, Tschechien, 3. Platz:
Das war meine erste Medaille bei einer Weltmeisterschaft, darüber bin ich sehr glücklich. Es war sehr aufregend für mich, weil ich mich da vorn in bester Gesellschaft befunden habe. Es war heute einfach ein sehr gutes Rennen für mich.

Hanka Kupfernagel, Deutschland, 4. Platz:
Ich bin sehr enttäuscht. Es war eine fantastische Stimmung an der Strecke und nichts wäre mir lieber gewesen, als aufs Podium zu kommen. Jetzt habe ich die Holzmedaille. Ich war geschockt von meinem Start, das war der beste in dieser Saison. Bei dem Vorsprung zu Beginn habe ich gezweifelt, ob ich das durchziehen soll. Der Kurs war auch sehr windanfällig, am Ende habe ich mich damit selbst aus dem Rennen geschossen. Ich hätte mir gewünscht, ich wäre etwas ruhiger geblieben.

Sabrina Schweizer, Deutschland, 16. Platz:
Ich hatte keinen guten Start, ich war eingeklemmt und bin als 20. ins Gelände. Nachher war ich in der Gruppe um den zehnten Platz und gut dabei. Dann hatte ich aber einen Kettenklemmer und habe die Gruppe verpasst. Aber das Ergebnis geht in Ordnung für mich.

Bundestrainer Patrick Moster:
Wir fahren im Bereich unserer Möglichkeiten, das ist in Ordnung. Aber uns fehlt hier einfach das Quäntchen Glück, um den Heimvorteil ausnutzen zu können. Hanka Kupfernagel ist ein starkes Rennen gefahren und hat riesig gekämpft.