Cross-EM: Mit oder ohne Hanka?
radcross.de - Redaktion am 04.11.2010 - 12:59 Uhr
Ob in Lack und Leder oder Lehm und Schlamm – Hanka Kupfernagel macht überall eine gute Figur. Ihre sexy Fotos im hautengen Look wurden bestimmt genau so oft veröffentlicht wie die Fotos von ihren vielen Siegen auf Straßen- und Cross-Strecken. Die 36-Jährige aus Werder bei Berlin, die heute in Staufen im Breisgau lebt, gehört auf dem Rad zu den besten und vielseitigsten Fahrerinnen der Welt.
In ihrer einzigartigen Profikarriere sammelte sie im Straßenrennen, im Einzelzeitfahren, im Cross, auf dem Mountainbike und der Bahn fünf Welt- und drei Europameisterschaften und holte 2000 Olympia-Silber auf der Straße. Über 30 Mal gewann sie den Titel in Deutschland. Ans Gewinnen müsste sie sich also gewöhnt haben. „Siege sind nie Routine“, schreibt sie aber auf ihrer Homepage, „jeder Erfolg ist etwas Besonderes und hat seine eigene Geschichte.“ Den nächsten Triumph hatte Hanka Kupfernagel für nächsten Sonntag bei der Radcross-Europameisterschaft in Frankfurt geplant. Doch nun machen ihr nach Stürzen im September Beschwerden in der Schulter zu schaffen: „Ich bin täglich in Behandlung und komme auf jeden Fall nach Frankfurt. Dort werde ich mir nicht nur den Kurs anschauen, sondern ihn auch testen und dann entscheiden“, sagt Hanka Kupfernagel, die im Moment mit dem Rad ausschließlich auf der Straße trainiert.
Keine politischen Spielchen
Seit Einführung der Weltmeisterschaft für Frauen im Jahr 2000 stand sie bis auf einmal (2007) immer auf dem Treppchen. Ihre Erfolge sind aber nicht allein der Grund, warum die Querfeldeinrennen ihre größte Leidenschaft sind. Hanka Kupfernagel: „Wenn ich nicht mit Cross angefangen hätte, dann hätte ich das Rad schon längst an den Nagel gehängt. Denn gerade beim schlechten Wetter im Winter hatte ich schon als Jugendfahrerin immer eine Phase, in der ich am liebsten aufhören wollte. Aber durch den Crosssport ist man jeden Tag wieder gefordert und hat Erfolgserlebnisse.“
Für die Vorbereitung auf die Straßenwettbewerbe bei den Olympischen Spielen 2012 in London testete sie mit Technikern von Stevensbikes im Sommer in Dresden im Windkanal. Stromlinienförmig wird sie nie werden. Ein Grund, warum Kupfernagel immer wieder aneckte: Sie bleibt ihrer Linie treu, wenn sie es für richtig hält und bekam dadurch in den 90er Jahren gerade bei Funktionären des Verbandes einen Ruf, der ihr trotz aller Erfolge nachschwingt. "Ich mag keine politischen Spielchen und sage manchmal gerade heraus, worüber sich alle im Stillen aufregen. Damit fällt man natürlich auf", sagt sie dazu.
Am Bornheimer Hang eins der ersten Crossrennen
Hanka Kupfernagel hat teilweise bis zur Selbstaufgabe versucht, den an sie gestellten Ansprüchen zu genügen. Im Straßenrennen von Stuttgart stellte sie sich als frischgebackene Zeitfahrweltmeisterin ganz in den Dienst der deutschen Nationalmannschaft. Als zwei aussichtsreiche Gegnerinnen zwei Runden vor Schluss ausrissen, holte sie diese im Alleingang zurück. Doch ihre Teamkolleginnen konnten die Vorlage nicht nutzen. Experten fragten sich damals, warum die stärkste Fahrerin so „verschenkt“ wurde? „Ich wurde als Kanonenfutter verheizt“, sagte sie hinterher direkt in die laufenden Kameras und kritisierte damit die Teamtaktik der verantwortlichen Personen. Trotz mancher Meinungsverschiedenheiten schätzt sie der Bund Deutscher Radfahrer. Bundestrainer Patrick Moster: „Hanka ist eine Ausnahmeathletin und hat viel für den deutschen Radsport getan.“
In den Crossrennen kann sie auf eigene Rechnung fahren. Ist das auch ein Grund, warum sie so gerne querfeldein unterwegs ist? „Nein, ich liebe die Stimmung an der Rennstrecke“, sagt sie. Auf den übersichtlichen Rundkursen stehen die Fans meist dicht an dicht, besonders in Belgien und Holland mit bis zu 20.000 Zuschauern. Sie hofft mit ihren Erfolgen und Auftritten den Boom im Cross-Sport auch in Deutschland weiter voranzutreiben: "Hier am Bornheimer Hang bin ich 1998 eins meiner ersten Crossrennen gefahren, und gerade für Zuschauer, die noch nichts über Cross wissen, ist das eine schöne, aufregende und spannende Strecke."
Vor zwei Jahren kannte sie keiner
Zu ihren Konkurrentinnen bei der Europameisterschaft am Sonntag zählen die beiden Niederländerinnen Daphny van den Brand und Sanne van Paassen, Katerina Nash und Pavla Havlikowa aus Tschechien, die Britin Helen Wyman und die Französin Christel Ferrier Bruneau. Gute Chancen auf eine Topplatzierung rechnet sich auch Sabrina Schweizer aus Wangen aus. Mit ihrem 13. Rang bei den letzten Weltmeisterschaften deutete sie immerhin an, was möglich ist.
Die beiden Niederländerinnen ließen im frühen Herbst durch gute Wettkämpfe aufhorchen. Daphny van den Brand konnte schon zweimal in Frankfurt am Bornheimer Hang gewinnen, Hanka Kupfernagel übrigens achtmal. Van den Brand ist in Frankfurt gut bekannt und galt neben der Deutschen als Top-Favoritin. Doch erstaunlicherweise schlug Sanna van Paassen ihre Kollegin in dieser Saison schon zweimal. „Vor zwei Jahren kannte sie keiner“, sagt Hanka Kupfernagel, „jetzt hat sie einen Sprung nach vorn getan, was mich nicht wundert. Sie könnte in Frankfurt für eine Überraschung gut sein.“
Fünfte Platz schon ein Erfolg
Neben den Frauen fahren in Frankfurt zudem die Junioren und die U23 ihre Europameister aus. Die aussichtsreichsten Fahrer bei der U23 sind der amtierende Weltmeister Arnaud Jouffroy aus Frankreich, der Belgier Jim Aernouts und Jiri Polnicky aus Tschechien. Zum erweiterten Favoritenkreis muss auch Marcel Meisen gezählt werden. „Wenn wir in Frankfurt schlechtes Wetter haben, steigen seine Chancen“, sagt Patrick Moster über den kleinen Stolberger. „Aber wenn er seinen fünften Platz aus dem vergangenen Jahr wiederholt, ist das schon ein Erfolg“, bleibt Moster bescheiden. Als zweiter Deutscher mit Chancen für die vorderen Plätze gilt Ole Quast, der wie Meisen sein letztes Jahr bei den U23 bestreitet. Nicht zuletzt deshalb geht der Hamburger am Sonntag hoch motiviert ins Rennen.
Bei den Junioren liegen die Erwartungen aus deutscher Sicht nicht so hoch. Laurens Sweeck aus Belgien und der Niederländer Danny van Poppel gehen als Favoriten ins Rennen, für das Team um Steffen Müller und Silvio Herklotz geht vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln im Hinblick auf die Weltmeisterschaften im Januar in St. Wendel.
In ihrer einzigartigen Profikarriere sammelte sie im Straßenrennen, im Einzelzeitfahren, im Cross, auf dem Mountainbike und der Bahn fünf Welt- und drei Europameisterschaften und holte 2000 Olympia-Silber auf der Straße. Über 30 Mal gewann sie den Titel in Deutschland. Ans Gewinnen müsste sie sich also gewöhnt haben. „Siege sind nie Routine“, schreibt sie aber auf ihrer Homepage, „jeder Erfolg ist etwas Besonderes und hat seine eigene Geschichte.“ Den nächsten Triumph hatte Hanka Kupfernagel für nächsten Sonntag bei der Radcross-Europameisterschaft in Frankfurt geplant. Doch nun machen ihr nach Stürzen im September Beschwerden in der Schulter zu schaffen: „Ich bin täglich in Behandlung und komme auf jeden Fall nach Frankfurt. Dort werde ich mir nicht nur den Kurs anschauen, sondern ihn auch testen und dann entscheiden“, sagt Hanka Kupfernagel, die im Moment mit dem Rad ausschließlich auf der Straße trainiert.
Keine politischen Spielchen
Seit Einführung der Weltmeisterschaft für Frauen im Jahr 2000 stand sie bis auf einmal (2007) immer auf dem Treppchen. Ihre Erfolge sind aber nicht allein der Grund, warum die Querfeldeinrennen ihre größte Leidenschaft sind. Hanka Kupfernagel: „Wenn ich nicht mit Cross angefangen hätte, dann hätte ich das Rad schon längst an den Nagel gehängt. Denn gerade beim schlechten Wetter im Winter hatte ich schon als Jugendfahrerin immer eine Phase, in der ich am liebsten aufhören wollte. Aber durch den Crosssport ist man jeden Tag wieder gefordert und hat Erfolgserlebnisse.“
Für die Vorbereitung auf die Straßenwettbewerbe bei den Olympischen Spielen 2012 in London testete sie mit Technikern von Stevensbikes im Sommer in Dresden im Windkanal. Stromlinienförmig wird sie nie werden. Ein Grund, warum Kupfernagel immer wieder aneckte: Sie bleibt ihrer Linie treu, wenn sie es für richtig hält und bekam dadurch in den 90er Jahren gerade bei Funktionären des Verbandes einen Ruf, der ihr trotz aller Erfolge nachschwingt. "Ich mag keine politischen Spielchen und sage manchmal gerade heraus, worüber sich alle im Stillen aufregen. Damit fällt man natürlich auf", sagt sie dazu.
Am Bornheimer Hang eins der ersten Crossrennen
Hanka Kupfernagel hat teilweise bis zur Selbstaufgabe versucht, den an sie gestellten Ansprüchen zu genügen. Im Straßenrennen von Stuttgart stellte sie sich als frischgebackene Zeitfahrweltmeisterin ganz in den Dienst der deutschen Nationalmannschaft. Als zwei aussichtsreiche Gegnerinnen zwei Runden vor Schluss ausrissen, holte sie diese im Alleingang zurück. Doch ihre Teamkolleginnen konnten die Vorlage nicht nutzen. Experten fragten sich damals, warum die stärkste Fahrerin so „verschenkt“ wurde? „Ich wurde als Kanonenfutter verheizt“, sagte sie hinterher direkt in die laufenden Kameras und kritisierte damit die Teamtaktik der verantwortlichen Personen. Trotz mancher Meinungsverschiedenheiten schätzt sie der Bund Deutscher Radfahrer. Bundestrainer Patrick Moster: „Hanka ist eine Ausnahmeathletin und hat viel für den deutschen Radsport getan.“
In den Crossrennen kann sie auf eigene Rechnung fahren. Ist das auch ein Grund, warum sie so gerne querfeldein unterwegs ist? „Nein, ich liebe die Stimmung an der Rennstrecke“, sagt sie. Auf den übersichtlichen Rundkursen stehen die Fans meist dicht an dicht, besonders in Belgien und Holland mit bis zu 20.000 Zuschauern. Sie hofft mit ihren Erfolgen und Auftritten den Boom im Cross-Sport auch in Deutschland weiter voranzutreiben: "Hier am Bornheimer Hang bin ich 1998 eins meiner ersten Crossrennen gefahren, und gerade für Zuschauer, die noch nichts über Cross wissen, ist das eine schöne, aufregende und spannende Strecke."
Vor zwei Jahren kannte sie keiner
Zu ihren Konkurrentinnen bei der Europameisterschaft am Sonntag zählen die beiden Niederländerinnen Daphny van den Brand und Sanne van Paassen, Katerina Nash und Pavla Havlikowa aus Tschechien, die Britin Helen Wyman und die Französin Christel Ferrier Bruneau. Gute Chancen auf eine Topplatzierung rechnet sich auch Sabrina Schweizer aus Wangen aus. Mit ihrem 13. Rang bei den letzten Weltmeisterschaften deutete sie immerhin an, was möglich ist.
Die beiden Niederländerinnen ließen im frühen Herbst durch gute Wettkämpfe aufhorchen. Daphny van den Brand konnte schon zweimal in Frankfurt am Bornheimer Hang gewinnen, Hanka Kupfernagel übrigens achtmal. Van den Brand ist in Frankfurt gut bekannt und galt neben der Deutschen als Top-Favoritin. Doch erstaunlicherweise schlug Sanna van Paassen ihre Kollegin in dieser Saison schon zweimal. „Vor zwei Jahren kannte sie keiner“, sagt Hanka Kupfernagel, „jetzt hat sie einen Sprung nach vorn getan, was mich nicht wundert. Sie könnte in Frankfurt für eine Überraschung gut sein.“
Fünfte Platz schon ein Erfolg
Neben den Frauen fahren in Frankfurt zudem die Junioren und die U23 ihre Europameister aus. Die aussichtsreichsten Fahrer bei der U23 sind der amtierende Weltmeister Arnaud Jouffroy aus Frankreich, der Belgier Jim Aernouts und Jiri Polnicky aus Tschechien. Zum erweiterten Favoritenkreis muss auch Marcel Meisen gezählt werden. „Wenn wir in Frankfurt schlechtes Wetter haben, steigen seine Chancen“, sagt Patrick Moster über den kleinen Stolberger. „Aber wenn er seinen fünften Platz aus dem vergangenen Jahr wiederholt, ist das schon ein Erfolg“, bleibt Moster bescheiden. Als zweiter Deutscher mit Chancen für die vorderen Plätze gilt Ole Quast, der wie Meisen sein letztes Jahr bei den U23 bestreitet. Nicht zuletzt deshalb geht der Hamburger am Sonntag hoch motiviert ins Rennen.
Bei den Junioren liegen die Erwartungen aus deutscher Sicht nicht so hoch. Laurens Sweeck aus Belgien und der Niederländer Danny van Poppel gehen als Favoriten ins Rennen, für das Team um Steffen Müller und Silvio Herklotz geht vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln im Hinblick auf die Weltmeisterschaften im Januar in St. Wendel.
Weiterführende Informationen:
| Website der Cross-Europameisterschaft 2010 in Frankfurt |




