Cross-EM: Hanka gegen die Niederlande

radcross.de - Redaktion am 14.10.2010 - 17:38 Uhr
Cross-EM: Hanka gegen die Niederlande
Obwohl Hanka Kupfernagel (Stevens Racing-Team) schon viermal Weltmeisterin im Radcross war, dazu Weltmeisterin im Einzelzeitfahren, Dutzende von Weltcups und Medaillen auf dem Mountainbike und bei Straßenwettbewerben gewonnen hat, ist für sie die Europameisterschaft am 7. November 2010 in Frankfurt am Main ein spezieller Wettbewerb. „Mit einer EM im eigenen Land kann man den Menschen den attraktiven Querfeldeinsport näher bringen. Ich wünsche mir schönes Wetter, viele Zuschauer und dann werde ich mein Bestes geben. Wenn jemand schneller sein sollte, gewinnt er halt“, so umreißt die 36 Jahre alte Profisportlerin aus Staufen im Breisgau ihre Zielvorgabe.

„Hanka ist eine Ausnahmeathletin, deshalb erwarte ich sie ganz vorne“, sagt Bundestrainer Patrick Moster, „im Moment ist es aber schwer zu sagen, welche Fahrerin die beste Form hat. Die Cross-Saison hat gerade begonnen, erst nach den beiden Weltcups am 17. Oktober in der Schweiz und am 24. Oktober in der Tschechischen Republik kann ich eine bessere Prognose abgeben.“

Trotzdem kann man bei den Frauen den Kreis der Favoritinnen umreißen. Marianne Vos aus den Niederlanden, wie die 36 Jahre alte Hanka Kupfernagel eine Allrounderin, aber mehr als zehn Jahre jünger, ist in Australien gerade Vizeweltmeisterin auf der Straße geworden und zudem die aktuelle Radcross-Weltmeisterin. Doch in Querfeldeinkreisen beobachtet man die „Vielstarterei“ von Marianne Vos eher mit Skepsis. Dazu hat sie ihren Aufenthalt am anderen Ende der Welt über die WM hinaus verlängert, so dass ihre Formkurve schnell den Weg nach unten nehmen kann. Doch Hanka Kupfernagel bleibt wachsam: „Mit einer wie Marianne Vos muss man immer rechnen. Schon oft hat sie gute Sommer und gute Winter gehabt.“ Marianne Vos ist die erste Radfahrerin, die Titel in drei Disziplinen gewann: Olympiasiegerin im Punktefahren, Radcross- und Straßen-Weltmeisterin. Obwohl sie erst 23 Jahre alt ist, hat ihr Heimatort Aalborg bereits einen 29,5 Kilometer langen Fahrradweg nach ihr benannt, die „Marianne Vos fietsroute“. In Frankfurt mögen die Organisatoren um Walter Wahl die Niederländerin sehr gern. „Sie bringt uns schon einfach mal so Kuchen-Spezialitäten aus ihrer Heimat mit, das ist doch sehr nett“, sagt Walter Wahl zu dieser im Sport eher außergewöhnlichen Geste.

Zwei weitere Niederländerinnen ließen im frühen Herbst durch gute Wettkämpfe aufhorchen, Daphny van den Brand und Sanne van Paassen. Daphny van den Brand konnte schon zweimal in Frankfurt am Bornheimer Hang gewinnen – Hanka Kupfernagel übrigens achtmal und Marianne Vos 2009. Van den Brand ist in Frankfurt gut bekannt und sollte das Favoritinnen-Trio komplettieren. Doch erstaunlicherweise schlug Sanne van Paassen ihre Kollegin in dieser Saison schon zweimal. „Vor zwei Jahren kannte sie keiner“, sagt Hanka Kupfernagel, „jetzt hat sie einen Sprung nach vorn getan, was mich nicht wundert. Sie könnte in Frankfurt für eine Überraschung gut sein.“ In der Cross-Weltrangliste führt Marianne Vos vor Daphny van den Brand und Hanka Kupfernagel. Für die deutschen Fans wäre es schön, wenn der Zieleinlauf bei der EM diese Reihenfolge auf den Kopf stellt.

Sportliche Lebensleistung
Schon 35 Radcross-Wettbewerbe hat der Velociped-Club in Frankfurt unter der Federführung des heute 74 Jahre alten Walter Wahl und des 75 Jahre alten Horst Dorn organisiert. „Wir konnten uns nur um die Europameisterschaft bewerben, weil wir mit der Unterstützung der Stadt Frankfurt und des Sportdezernenten Markus Frank rechnen konnten. Und unser langjähriger Sponsor Hansen Kreative Werbetechnik aus Dreieich-Sprendlingen hat sein Engagement ebenfalls deutlich ausgeweitet“, erläutert Walter Wahl. Hansen Kreative Werbetechnik sorgt mit Bannern, Schildern, Siegerehrungswand, Flaggen, Arm- und Rückennummern für einen professionellen Auftritt und stellt zudem seine Manpower zur Verfügung.



„Radcross ist ein spannender Sport und eine Europameisterschaft immer eine wichtige Veranstaltung“, meint Sportdezernent Markus Frank, der mit dem Engagement der Stadt auch die sportliche Lebensleistung von Walter Wahl und Horst Dorn honoriert. Für den Firmensponsor steht ein anderer Aspekt im Mittelpunkt. „Ich finde, als Unternehmen hat man eine soziale Verantwortung und muss die guten Werte unserer Gesellschaft fördern“, sagt Hansen-Geschäftsführer Erhard Sobeck.

Neben den Frauen fahren noch die U23 und die Junioren ihre Europameister aus. Udo Sprenger, Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer, glaubt fest, dass Marcel Meisen aus Stolberg bei der U23 unter die besten Zehn kommen könnte. Marcel Meisen (Team Kuota-Indeland) selbst ist ehrgeiziger. „Fünfter war ich schon, jetzt soll es natürlich besser werden. Meine Straßensaison als Vorbereitung auf das Crossfahren im Winter ist diesmal richtig gut gelaufen“, sagt der Bundeswehrsoldat, der in der Sportfördergruppe Todtnau im Schwarzwald stationiert ist. Seine Konkurrenz kommt hauptsächlich aus den Cross-Hochburgen Belgien und Niederlande und mit dem amtierenden U23-Weltmeister Arnaud Jouffroy auch aus Frankreich. Aus deutscher Sicht sind nach dem altersbedingten Umbruch im Team noch Ole Quast aus Hamburg und Michael Schweizer aus Wangen zu beachten.

Ungewisser sieht es bei den Junioren aus, wo die nachrückenden jungen Sportler noch nicht eingeordnet werden können. Die Europameisterschaft wird hier dazu dienen, die neue Rangfolge zu ermitteln. Bundestrainer Moster erwartet einen Sieger aus Belgien oder den Niederlanden. Und wenn ein deutscher Junior unter die besten Acht kommt, ist er zufrieden.